Luchs-Update
Dr, Markus Port vom Luchsprojekt Thüringen informiert: Im November wurde in der Nähe von Ilmenau eine Luchsin mit mindestens zwei Jungtieren von einer privaten Fotofalle erfasst. Noch können wir nicht viel zur Identität der Luchsin sagen. Mit Unterstützung der örtlichen Jägerschaft haben wir aber inzwischen an einigen Standorten unsere eigenen Kameras aufstellen können. Nun hoffen wir, dass wir die Luchsin dort auch fotografieren, um so vielleicht bald etwas mehr über sie zu erfahren.
Neben der „Werra-Luchsin“, die wir im Juli bei Sachsenbrunn fotografiert haben, ist die Ilmenauer Luchsin in diesem Jahr bereits die zweite Luchsin, die im Thüringer Wald Junge zur Welt gebracht hat. Dies ist ein positives Signal für einen dauerhaften Luchsbestand im Thüringer Wald!
Von den sechs im Rahmen des Projektes im Thüringer Wald ausgewilderten Luchsen weisen wir die Luchsin Frieda (aus dem Wildkatzendorf Hütscheroda) sowie die Kuder Viorel, Kilian, Ionel und Carlo weiterhin regelmäßig nach. Frieda, Viorel und Kilian haben ihre Halsbandsender im Laufe des Jahres abgeworfen. Anhand unserer Fotofallen lassen sich die drei Luchse aber auch weiterhin nachweisen. Der aus dem Zoo Karlsruhe stammende Kuder Carlo hat den Thüringer Wald inzwischen verlassen, und hat im südlichen Landkreis Hildburghausen die Grenze nach Bayern überquert. Momentan hält er sich im Bereich von Coburg auf, wo er möglicherweise Anschluss an das Luchsvorkommen in Nordbayern gefunden hat. Die ungefähren Streifgebiete der übrigen vier ausgewilderten Luchse sind der Karte im Anhang zu entnehmen.
Derzeit können wir sieben Luchse im Thüringer Wald als territorial einstufen: Neben den vier ausgewilderten Luchsen Frieda, Viorel, Kilian und Ionel sind dies die beiden reproduzierenden Weibchen bei Sachsenbrunn und Ilmenau, sowie der Kuder B5001m im Grenzgebiet zu Bayern. Entlang der bayerischen Grenze, und inzwischen auch im mittleren Thüringer Wald, lassen sich darüber hinaus gelegentlich weitere Luchse nachweisen. Keines dieser Tiere scheint aber bisher ein festes Streifgebiet etabliert zu haben.
Ein Stück nördlich von Wurzbach scheint darüber hinaus der im Sommer 2024 in Nordbayern ausgewilderte Kuder Osram sein Streifgebiet etabliert zu haben. Zwar hat auch Osram inzwischen sein Halsband abgeworfen, doch erreichen uns aus der Jägerschaft regelmäßig Aufnahmen eines Luchses, der aller Wahrscheinlichkeit nach Osram zeigen dürfte.
Mit nur zwei ausgewilderten Luchsen ist unser Projekt in diesem Jahr ein wenig hinter seinen Erwartungen zurückgeblieben. Im Zusammenspiel mit der Zuwanderung von Luchsen aus Nordbayern entwickelt sich das noch kleine Luchsvorkommen des Thüringer Waldes aber dennoch positiv. Wir können also voller Zuversicht in das kommende Jahr blicken. Im Verlauf dieses Jahres möchten wir 3-5 weitere Luchse, insbesondere weibliche Tiere, im Thüringer Wald auswildern.
Hintergrund
„Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von BUND, WWF, ThüringenForst, dem Wildkatzendorf Hütscheroda, dem Landesjagdverband Thüringen, dem UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald, dem Naturpark Thüringer Wald, der Georg-August-Universität Göttingen sowie der rumänischen Projektpartner ACDB und Romsilva. Das Projekt ist Teil des europäischen Luchsexperten-Netzwerks Linking Lynx, das sich dem Erhalt und der Vernetzung der Luchspopulationen Mitteleuropas verschrieben hat. Ziel ist es, durch gezielte Auswilderungen und die Vernetzung bestehender Populationen eine stabile und eigenständige Luchspopulation in Mitteleuropa aufzubauen. Viele der im Thüringer Wald ausgewilderten Luchse stammen aus dem Erhaltungszuchtprogramm der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA).
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