Luchsweibchen stärken Thüringer Luchspopulation
Zwei Luchse im Projekt „Luchs Thüringen“ ausgewildert
Mit der Auswilderung von zwei Luchsweibchen setzt das Projekt „Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ einen weiteren wichtigen Meilenstein für die Rückkehr des Luchses nach Thüringen. Wangari und Lana wurden am 13. August im Thüringer Wald ausgewildert. Seit Projektbeginn im Januar 2024 haben damit bereits neun Luchse im Thüringer Wald eine neue Heimat gefunden.
Bei der Auswilderung öffneten Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) und Thüringens Umweltminister Tilo Kummer (BSW) jeweils eine Tür des eigens errichteten Auswilderungsgeheges, in dem sich die Tiere mehrere Wochen lang an ihre neue Heimat gewöhnen konnten. Die beiden heute ausgewilderten Luchsweibchen sind gut ein Jahr alt und stammen aus Nachzuchten des Erhaltungszuchtprogramms des Europäischen Zooverbandes (EAZA). Sie kamen im Tierpark Han-sur-Lesse (Belgien) und im Wildnispark Zürich (Schweiz) zur Welt. Die letzten Monate vor ihrer Auswilderung verbrachten sie im sogenannten Koordinationsgehege im Wildkatzendorf Hütscheroda. Dort werden Luchse aus zoologischen Einrichtungen auf ein Leben in der Wildnis vorbereitet. Dazu gehören unter anderem eine tierärztliche Untersuchung und ein Verhaltenstest, in dem geprüft wird, dass die Tiere scheu sind und den Menschen meiden.
Weibliche Tiere spielen für den Aufbau einer stabilen Luchspopulation eine entscheidende Rolle. Während männliche Luchse gelegentlich weite Strecken zurücklegen und neue Gebiete erschließen, wandern Weibchen weniger. Sie aber bilden den Kern künftiger Populationen. Sie besetzen Reviere, ziehen Nachwuchs auf und tragen dazu bei, dass sich der Luchs langfristig wieder in einer Region etablieren kann.
Dass dieser Weg erfolgreich ist, zeigen die bisherigen Entwicklungen im Projekt. Seit dem Start der Wiederansiedlung wurden Frieda, Viorel, Vreni, Kilian, Ionel, Carlo, Gabriel sowie nun Wangari und Lana im Thüringer Wald ausgewildert. Alle Tiere konnten sich erfolgreich etablieren. Eines der Weibchen hat sich bereits erfolgreich fortgepflanzt. Auch in diesem Jahr darf wieder mit Luchsnachwuchs gerechnet werden.
Ziel des Projekts ist es, bis 2027 einen stabilen Populationskern im Thüringer Wald aufzubauen. In Deutschland ist der Luchs nach wie vor vom Aussterben bedroht. Nur durch Wiederansiedlungsprojekte kann er seine ursprüngliche Heimat Schritt für Schritt zurückerobern.
Thüringen nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Zwischen den Luchsvorkommen im Harz und den Populationen in Süddeutschland gelegen, kann der Freistaat künftig dazu beitragen, bestehende Vorkommen miteinander zu vernetzen und den genetischen Austausch zwischen den Populationen zu fördern. Dieser ist für das langfristige Überleben der Art unverzichtbar: Geht genetische Vielfalt verloren, steigt die Anfälligkeit für Krankheiten und damit das Risiko für den Fortbestand der Population.
Text: BUND
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